Ohne Haie stirbt das Meer

Haie – die Gejagten der Meere

Ihr Image könnte kaum schlechter sein. Als menschenfressende „Monster der Meere“ werden Haie meist dargestellt. Dabei spielen die intelligenten Meerestiere mit ihren hochentwickelten Sinnen eine enorm wichtige Rolle im Ökosystem der Meere. Ohne Haie, so befürchten Experten, käme es zu einem ökologischen Kollaps in den Meeren. Ein Riff ohne Haie stirbt innerhalb eines Jahres. Das zeigt, welch lebensnotwendige Funktion diese Tiere in dem verwundbaren Ökosystem der Meere erfüllen. Um so schlimmer, dass aktuell ein Drittel der rund 460 Haiarten stark gefährdet ist. Weit über 100 Millionen Haie werden weltweit jährlich getötet. Das sind rund 250.000 jeden Tag und drei bis sechs pro Sekunde. Kein anderes wildlebendes Tier wird momentan so brutal und in so großen Mengen abgeschlachtet.

Industrieller Fischfang, fehlende Schutzzonen sorgen bei den Tieren, die naturgemäß eine geringe Vermehrungsrate haben, für dramatischen Rückgang der Bestände. 80% aller Hochseehaiarten, so eine Studie der Universität Halifax, sind sogar unwiederbringlich verschwunden. Aber es ist vor allem die ungestillte Lust auf Haifischflossen, die den Meeresbewohnern zu schaffen macht. Das sogenannte „Shark-Finning“ ist das Hauptproblem und zudem eine grausame Art der Delikatessengewinnung.

Shark Finning – langsamer Tod durch Amputation der Flosse

In China und anderen asiatischen Ländern gilt Haifischflossensuppe als Spezialität. Schätzungen zu Folge bekommen 86% aller Haie an Bord des Fangschiffes bei lebendigem Leib die Flossen amputiert, nachdem sie von zuvor getöteten Delfinkadavern angelockt wurden. Der Rest des Haikörpers gilt als „Abfall“ und wird kurzerhand wieder ins Meer geworfen. Der schwer verletzte Hai verblutet langsam und stirbt am Ende qualvoll. Für Haifischflossen gibt es einen riesigen Absatzmarkt: Über 60 Länder, darunter vor allem Indien und Sri Lanka, exportieren pro Jahr 3.000 Tonnen nach China und in andere asiatische Länder. Haifischflossen sind bei einem Kilopreis von 90 – 300 Euro in Hongkong ein höchst lukratives Geschäft.

Die EU-Staaten, vor allem Spanien und Portugal, sind mit die Hauptakteure im Handel mit Haiflossen und damit auch die Hauptverantwortlichen. 54% aller Haiflossengeschäfte werden in der EU gemacht. Die Bestände von Hai-Arten, deren Flossen besonders häufig in der Suppe landen, sind dadurch schon um 80% zurückgegangen.

Erfreulicherweise hat die EU Ende 2012 ein Abtrennen von Haiflossen auf offener See verboten. Hierzu stimmten 566 zu 47 Mitglieder des Europäischen Parlaments für den Antrag gestimmt, dass künftig die Ganzkörperanlandung sämtlicher Haie – d.h. ihre Anlandung im Hafen im natürlichen Zustand mitsamt der Flossen am Körper – verbindlich vorgeschrieben ist. Das bedeutet nicht das definitive Ende des Hai-Finning, aber dieser EU-Beschluss ist ein Meilenstein, denn zuvor konnten die Haikörper und Flossen legal unabhängig voneinander in die Häfen gebracht werden und entzogen sich damit jeglicher Kontrollen. Durch das gemeinsame Anlanden von Körpern und Flossen entsteht eine Kontrolle über die Anzahl der getöteten Haie und somit über die Fangzahlen.

Haifischerei als Sport

Alleine vor der Ostküste der USA wurden, so die Schätzungen, 2,5 Millionen Haie von Sportanglern gefangen. Einen Tigerhai oder Blauhai zu „besiegen“ ist bei Haiturnieren die höchste Herausforderung überhaupt.

Die Haie werden entweder lebendig am Haken mit dem Boot mitgezogen oder mit einem scharfen Haken so lange traktiert bis sie sterben. Ebenfalls sehr beliebt ist es bei Tauchern, kleine Haie mit der Harpune zu töten. Verbietet ein Land diese grausame Sportfischerei, wandern Angler und Taucher in andere Zonen ab. Der Fleischgewinnung dient all das nicht, es ist lediglich ein Freizeitvergnügen. Oft werden die Haizähne nach dem gelungenem Kampf stolz als Trophäe um den Hals getragen.

Sinnloser Tod im Netz - Das Problem mit Beifang

In den Netzen subventionierter Flotten verenden Unmengen an Haien als Beifang, zum Beispiel beim Fang von Thun- oder Schwertfisch. Die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft schätzt, dass Fischer jährlich 600.000 Tonnen Hai als unerwünschten Beifang wieder über Bord werfen. Bei manchen werden die Flossen abgetrennt, andere werden bereits vorher so schwer verletzt, dass sie sterben.

Haie als medizinische Wunderwaffe?

Krebs, Arthrose aber auch einfach nur mangelnde Vitalität – es gibt kaum etwas, wogegen pulverisierter Haifischknorpel nicht helfen soll. „Haifit“ oder „Haitin“ heißen die angeblichen Wunderwaffen und sind in Deutschland zu gesalzenen Preisen als Nahrungsergänzungsmittel zu erwerben – meist über das Internet. Ihre heilsame Wirkung wurde bis heute nicht nachgewiesen. Dennoch kostet das vermeintliche Wundermittel unzählige Haie das Leben.

Beim wichtigsten Haiknorpellieferanten in Costa Rica werden jeden Tag 200 Haie verarbeitet. Das heißt: getötet, Knorpel entfernt und der Rest des Haikörpers als Abfall entsorgt. Ebenfalls enden Haibestandteile in Anti-Faltencremes oder in angeblichen Potenzmitteln, die weltweit vertrieben werden, aber auch auf dem europäischen Markt landen.

Wie wirkungslos und sinnlos diese Medikamente und Lifestyle-Produkte sind, hat SAVE für die Informations-Broschüre "Hai-End...?" recherchiert und die Ergebnisse zusammengefasst. Dort findet sich auch eine Übersicht über Produkte, in denen Haibestandteile stecken.