Das Uhu-Schutz-Projekt von SAVE

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Aufwind für den König der Nacht in der niederbergischen Region

Artenschutz ist ein schwieriges Geschäft: Durch wirtschaftliche Interessen verschwinden auch in Europa immer mehr Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten. So sind mittlerweile 49 % der Vogelarten im EU-Raum gefährdet. Im besonderen Maße sind Eulen- und Greifvogelarten durch ihre großen Raumansprüche betroffen.

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Strenge Schutzbestimmungen der EU werden oft durch die Gesetzgebung der Mitgliedsstaaten unterlaufen. Aber ohne die Artenvielfalt, die unsere natürlichen Lebensgrundlagen garantieren, hat auch unsere Zukunft keinen Bestand. Es gibt auch gute Nachrichten: Der Uhu, jahrhundertelang verfolgt und in Mitteleuropa an den Rand der Ausrottung gebracht, ist als neue Vogelart in unserem Gebiet heimisch geworden. Aus der Eifel eingewandert, wo Anfang 1960 bis Ende 1980 eines der größten Ansiedlungsprojekte für Wildtiere europaweit durchgeführt wurde, um den Uhu vor dem endgültigen Untergang in Westdeutschland zu bewahren, hat er sich im Kreis Mettmann und den Stadtgebieten von Wuppertal, Solingen und Remscheid angesiedelt. Da sich im Gebiet europaweit der größte Abbau von Kalkstein befindet, hat er nahezu alle Steinbrüche besetzt, denn er brütet gern in Felswänden und so hat sich in Nordrhein-Westfalen ein Dichtezentrum entwickelt. Bundesweit ist es die größte Population in Großstadtnähe.

Eine imposante Erscheinung

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Mit einem Gewicht von 3 bis 4 Kilogramm und einer Flügelspannweite von 160 bis 180 cm ist der Uhu zweifellos eine der größten Arten unserer Vogelfauna. Kräftemäßig übertrifft er alle im Gebiet vorkommenden Vogelarten bei weitem. Die Fänge sind besonders stark entwickelt und können beim schlagen der Beute einen Druck bis 200 Kilogramm entwickeln (zum Vergleich: der stärkste menschliche Muskel ist der Kaumuskel mit maximal 25 Kilogramm). Dabei umfassen die Hauptbeutearten Wanderratten und Igel bei den Säugetieren und Wildtauben und Krähen bei den Vögeln, wie Untersuchungen gezeigt haben. Aber auch Mäusebussarde werden gelegentlich verzehrt.

Forschung für den Arterhalt

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Ein leistungsstarkes Team ist das ganze Jahr hindurch damit beschäftigt, die Gewohnheiten und Bedürfnisse der Uhus zu erforschen, damit diese imposante Art in ihrem Bestand erhalten bleibt. Seit 2005 werden im Kreis Mettmann und in den Stadtgebieten von Wuppertal, Solingen, Remscheid und Düsseldorf die Uhus beobachtet und deren Lebensraumanprüche erforscht. Daraus entwickelte sich das „Niederbergische Uhuprojekt“. SAVE will dieses Projekt unterstützen, denn die Art ist trotz des ansteigenden Bestandes zahlreichen Gefahren ausgesetzt und dadurch keineswegs sicher: Stromleitungen, Straßen- und Bahnverkehr, Windkraftanlagen, vor allem aber zunehmender Verlust von Nahrungsflächen für den Beutefang durch die immer intensiver werdende Landwirtschaft.

Wie erforscht man eine nächtlich aktive Art?

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  • Mit einer speziellen Optik werden in vielen Beobachtungsstunden die meist gut versteckten Brutplätze erkundet. Diese werden den Steinbruchbetreibern mitgeteilt, damit an dieser Stelle nicht abgebaut wird. Ist dies unumgänglich, werden in Absprache mit den Betreibern an anderen Stellen neue Brutplätze eingerichtet. Als streng geschützte Art müssen sie auch den Behörden genannt werden, damit sie auch außerhalb der Steinbrüche vor Eingriffen geschützt werden.
  • Mit der Beringung der Jungen an den Brutplätzen soll deren Verbreitung nach dem Verlassen des elterlichen Reviers festgestellt werden. Die Ringe sind aus Aluminium und haben eine eingeprägte Seriennummer. Wenn die jungen Uhus noch im Nest sitzen, bekommen sie den Ring um ein Bein gelegt. Wird im erwachsenen Alter ein beringter Uhu gefunden, z. B. als Verkehrsopfer, kann zurückverfolgt werden, wo er ursprünglich aufgewachsen ist.
  • Mit speziellen GPS-Sendern werden die Altvögel ausgerüstet, um herauszufinden, ob bevorzugt Gebiete für den Beutefang angeflogen werden, die geschützt werden sollen. Die Sender registrieren halbstündlich die Aufenthaltsorte und speichern sie. Mit einem Auslesegerät werden die gespeicherten Daten abgerufen und auf Luftbildern sichtbar gemacht. So können die nächtlichen Nahrungsflüge verfolgt werden, die sich oft über mehrere Kilometer erstrecken. Zu diesem Zweck wurden von der Vogelwarte Radolfzell Sender kostenlos zur Verfügung gestellt.
  • Mit Fachbehörden wird abgesprochen, wie die Lebensräume gesichert werden können. Als EU-weit streng geschützte Art sind die örtlichen Behörden verpflichtet, die Population zu erhalten und zu sichern. Ein schwieriges Unterfangen, da viele Absprachen mit Eigentümern getroffen werden müssen.
  • Mit der Bergischen Universität in Wuppertal werden Nahrungsanalysen durchgeführt, um herauszufinden, wovon diese imposanten Vögel leben. Dies ist mit viel Zeitaufwand verbunden, da im Umfeld der Brutbereiche regelmäßig Beutetierreste gesammelt werden müssen. Solche Untersuchungen über viele Jahre hinweg geben einen Aufschluss über die Zusammensetzung der Nahrung. Bleiben sie konstant und verändern sich aufgrund von Veränderungen in der Landschaft, was zu Bestandseinbußen bei den Uhus führen kann.
  • Neben den Nahrungsanalysen sollen auch genetische Untersuchungen durchgeführt werden, um den Verwandtschaftsgrad der Jungen und das Alter der Eltern zu klären. Dies geschieht durch Sammeln von Federn an den Brutplätzen. Durch den genetischen „Fingerabdruck“ lässt sich klären, ob es sich jährlich um dieselben Eltern handelt oder ob an den jeweiligen Brutplätzen ein häufiger Wechsel stattfindet. So kann herausgefunden werden, wie alt die Uhus in unserem Gebiet werden.
  • Als bestandserhaltende Maßnahmen sind auch veterinärmedizinische Untersuchungen in Bezug auf Parasiten vorgesehen, die in erheblichem Maße den Bestand einschränken können und durch gebietsüberschreitende Abwanderungen der erwachsenen Junguhus auch Populationen in anderen Bereichen gefährden können. Eventuell müssen dann die Jungen am Brutplatz behandelt werden.

Warum so viel Aufwand für eine Art?

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Alle Eulenarten sind im Gebiet der EU geschützt, so auch der Uhu. Fünf Eulenarten leben im Untersuchungsgebiet: Schleiereule, Waldkauz, Steinkauz, Waldohreule und der Uhu. Während der Waldkauz einen stabilen Bestand aufweist, sind Steinkauz und Schleiereule massiv gefährdet. Über die Waldohreule liegen am wenigsten Erkenntnisse vor. Als Neubürger ist der Uhu eine Ausnahme in unserer Region und gerade das macht ihn so interessant. Von Beginn an konnte die Bestandsentwicklung einer der eindrucksvollsten Erscheinungen der europäischen Vogelfauna beobachtet werden, die sich zudem am Ende einer langen Nahrungskette befindet. Tierarten, die am Ende von Nahrungsketten stehen, kommt eine besondere Schlüsselstellung zu. Es sind sogenannte Leitarten, die stellvertretend für viele andere Arten stehen, von denen sie leben. Wird einer Leitart genügender Lebensraum gesichert, profitieren auch viele andere Arten davon.

Wie kann der Lebensraum für den Uhu gesichert und optimiert werden?

Aufgrund eines Flugradius von bis zu 4 bis 5 km bei nächtlichen Nahrungsflügen kommen viele Maßnahmen mit unterschiedlichen Ansätzen zum Tragen:

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  • An oberster Stelle steht die Sicherung der Brutplätze. In den Steinbrüchen müssen hierzu Absprachen mit Abbauunternehmen getroffen werden. Wo kein Abbau mehr stattfindet, müssen die Brutplätze vor Freizeitvergnügen wie Klettern und Geo-Caching geschützt werden. Auch hier bedarf es schon im Vorfeld zahlreicher Absprachen mit den betreffenden Organisationen, um Konfliktpotentiale zu minimieren. Bei Brutplätzen, die sich in Waldbereichen befinden, sind Absprachen mit den Waldbesitzern und den Fachbehörden angebracht, um bei anstehenden Forstarbeiten Brutbereiche auszusparen.
  • Mit an höchster Stelle steht die Sicherung der Lebensräume. Da der Uhu für den Nahrungserwerb offene, abwechslungsreiche Landschaften bevorzugt, kommt dem Untersuchungsgebiet zusammen mit der hohen Anzahl an Steinbrüchen eine landesweite Schlüsselstellung zu. Von hoher Bedeutung ist die Erhaltung von Feldgehölzen, alten Baumgruppen, Waldsäumen mit angrenzenden Wiesen und Weiden, Brachflächen, Bachauen, Waldbeständen und Obstwiesen mit altem Baumbestand, Bahnböschungen mit altem Baumbestand, Windwurfflächen ohne Aufforstungen, Waldlichtungen, Wiesentäler, extensiv genutzte Ackerflächen.
  • Bedingt durch die Besenderung der Altvögel können innerhalb der Bewegungsräume die oben genannten Lebensraumelemente erfasst und kartografisch auf Luftbildern sichtbar gemacht werden. Eine wichtige Maßnahme, die den Fachbehörden als Grundlage für die Landschaftsplanung dient.
  • Ebenfalls durch die Besenderung können gefährliche Bereiche mit Freileitungen lokalisiert und in Verbindung mit Stromunternehmen entschärft werden. Gleiches trifft für Straßen- und Bahnabschnitte zu, die durch Randbepflanzungen ebenfalls entschärft werden können. Beides, Stromleitungen (vor allem im Mittelspannungsbereich) und Verkehrswege, sind die zwei häufigsten Verlustursachen flugfähig gewordener Junguhus, die bis 80 % im ersten Lebensjahr ausmachen.
  • Durch die Installation von Infrarotkameras an geeigneten Brutstellen soll die nächtliche Lebensweise beobachtet und im Internet für Interessierte zugänglich gemacht werden.
  • Durch eine gute Öffentlichkeitsarbeit soll das Uhu-Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Im Zeittunnel der Stadt Wülfrath werden seit Jahren 3 bis 4 Vorträge im Jahr mit anschließender Führung durchgeführt, die stets ausgebucht sind. Auch in Schulen, Firmen und privaten Kreisen, sowie Verbänden und Vereinen sind Vorträge zu diesem Projekt gerne gesehen und enden immer mit einer hohen Begeisterung des Publikums. Dazu kommt ein gutes Verhältnis zu den öffentlichen Medien, wie Presse, Funk und Fernsehen.
  • Da einer unserer Mitarbeiter zu den besten Naturfotografen weltweit gehört, besteht ein umfangreiches Bildmaterial nicht nur zum Thema Uhu, sondern auch zu vielen anderen Pflanzen- und Tierarten unserer Region und auch europaweit, das in Form von Vorträgen und Ausstellungen genossen werden kann.

Haben wir Ihr Interesse geweckt?

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Sie sehen, wir stehen vor umfangreichen Aufgaben, die aber nicht nur den Uhus zugute kommen, sondern vielen anderen Arten auch. Ein solches umfangreiches Programm ist finanziell allein nicht zu leisten. Durch den hohen Personalaufwand bei den Umsetzungen der vielfältigen Maßnahmen sind wir auf Fremdleistungen angewiesen, denn wir wollen das Uhu-Projekt in unserer Region zu einem Leuchturmprojekt des Artenschutzes machen und so auch ein Stück weit zur Heimatpflege beitragen. Gerne stellen wir das Projekt in Form einer Präsentation mit Bildmaterial vor und beantworten anstehende Fragen zu Umfang und Ausrichtungen der einzelnen Punkte. Aufgrund der guten Kontakte zu den Medien stehen wir selbstverständlich bei Veröffentlichungen gerne zur Verfügung.

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Artenschutz ist ein schwieriges Geschäft: Durch wirtschaftliche Interessen verschwinden auch in Europa immer mehr Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten. So sind mittlerweile 49 Prozent der Vogelarten im EU-Raum gefährdet. Im besonderen Maße sind Eulen- und Greifvogelarten durch ihre großen Raumansprüche betroffen. Strenge Schutzbestimmungen der EU werden oft durch die Gesetzgebung der Mitgliedsstaaten unterlaufen. Aber ohne die Artenvielfalt, die unsere natürlichen Lebensgrundlagen garantiert, hat auch unsere Zukunft keinen Bestand.

Der Uhu-Flyer zum download