Der Wolf, ein bedrohter Jäger

Europäischer Wolf
Der europäische Wolf– ein seltener Anblick. © Krzysztof Ptak

Seit Menschengedenken sind Wölfe einer rigorosen Verfolgung durch den Menschen ausgesetzt. Durch den Einsatz von Fallen, Gift und Feuerwaffen war der graue Jäger Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland schließlich ausgerottet. Vielerorts ausgerottet, erobern sich heute Großraubtiere wie der Wolf ihren ehemaligen Lebensraum zurück, sofern dieser noch ausreichend naturnahe oder naturbelassene Lebensmöglichkeiten bietet. Aus Polen kommend wandern in den letzten Jahren immer wieder Wölfe über die Grenze nach Deutschland ein. Aber nicht überall wird Isegrim freundlich empfangen.

Der Wolf, ein echtes Familientier

Das einst so gefürchtete Raubtier gehört zur Familie der Hunde und weist deutliche Ähnlichkeit mit einem großen Haushund auf. Der mitteleuropäische Wolf kann eine Schulterhöhe von bis zu 90cm erreichen. Seine bevorzugte Nahrung sind Huftiere, aber auch andere kleine und größere Säugetiere werden nicht verschmäht. Als Rudeltiere leben Wölfe in der Regel in ihrem Familienverband, der aus Eltern mit Nachwuchs und vorjährigen Jungwölfen besteht.

Vom Gejagten zum Geschützten

Europäischer Wolf

Wir Menschen haben es den großen Raubtieren unseres Planeten nicht immer leicht gemacht. Wir haben sie gejagt, verfolgt und an den Rand der Ausrottung gebracht. Ursprünglich waren sie in weiten Gebieten Europas beheimatet, bevor sie Opfer der menschlichen Verfolgung wurde. Als angeblicher Jagdschädling verhasst und als blutrünstiges Wesen verschrien wurde die Vernichtung des Wolfes vielerorts zur Staatsaufgabe und mit Kopfgeldern für jedes getötete Tier vorangetrieben. Während in anderen Ländern, wie z.B. in Polen, kleinere Populationen überleben konnten, waren die Wölfe in Deutschland Mitte des 19. Jahrhunderts verschwunden. Sie wurden nach Osten zurückgedrängt. Auch Überläufer, die meist aus Polen nach Deutschland kamen, wurden lange Zeit in Deutschland erlegt.
Auch in Polen wurde der Wolf verfolgt und bejagt. Trotzdem konnten sich hier einige Populationen insbesondere im Osten des Landes, aber auch im westlichen Grenzgebiet zu Deutschland, halten. Anfang der 90er Jahre starteten dann erste umfangreiche europäische Schutzprojekte für den Wolf. Heute steht er in vielen Ländern Europas unter dem Schutz der Berner Konvention sowie der europäischen Richtlinie 92/43/EEC. So auch in Deutschland und Polen. Aber noch immer stehen der Rückkehr der Wölfe irrationale Ängste der Menschen entgegen, die immer wieder Ausrottungsmentalitäten begünstigen und zu illegalen Abschüssen führen.

Situation heute

In Deutschland haben sich mittlerweile ca. 100 Tiere angesiedelt. Einige hundert Wölfe leben heute in Polen. Viele sind in den Karpaten beheimatet, kleinere Populationen halten sich aber auch weiter im Westen auf, bis hin zur Grenze nach Deutschland. Immer wieder machen sich einzelne Tiere auf den Weg gegen Westen und überqueren dabei auch die Grenze nach Deutschland. Für eine langfristig erfolgreiche Rückkehr und Wiederansiedlung des Wolfes in Deutschland ist daher die Entwicklung der Wolfspopulationen in Polen von großer Bedeutung.

Ungewisse Zukunft

Europäischer Wolf

Die Öffnung der Grenzen hat diese natürliche Wiederausbreitung nach Mitteleuropa unterstützt und die grenzüberschreitende Etablierung der Tiere ermöglicht. Die politische Entwicklung in Europa birgt außerdem neue und vielversprechende Möglichkeiten für internationale Kooperationen im Natur- und Artenschutz. Diese müssen unbedingt genutzt werden.
In Osteuropa noch vielfach vorhandene naturbelassene Landschaften, die auch den großen Raubtieren einen geeigneten Lebensraum bieten, drohen jedoch mehr und mehr wirtschaftlichen Interessen untergeordnet zu werden. Dabei ist die Bewahrung ganzer, sich über Ländergrenzen hinweg erstreckender ökologischer Systeme eine wichtige Voraussetzung, um die begonnene Selbstausbreitung der Tiere zu unterstützen. Schutzmaßnahmen sollten die natürliche Rückeroberung unterstützen und zur Vernetzung isolierter Populationen beitragen. Damit die Tiere ihre Chance auch wirklich nutzen können, müssen die zum Teil immer noch vorhandenen Ängste in der Bevölkerung und die teilweise mangelnde Akzeptanz von Beutegreifern in einigen Bevölkerungsgruppen ernst genommen und ausgeräumt werden. Denn nur, wenn Wolf und Co. wirklich willkommen sind, haben sie auch langfristig eine Chance zu überleben.

Forschung für den Artenschutz

Polnisches Wolfs-Forschungs- und Schutzprojekt

SAVE setzt sich aktiv für den Schutz der polnischen Wölfe ein. Unser Forschungsgebiet sind die Wälder von Heiligkreuz im Südosten des Landes. Hier wurden im Jahr 2006 erstmals seit 1953 wieder Wölfe gesichtet. Untersuchungen haben ergeben, dass die Region fünf bis acht Wolfsfamilien eine Heimat geben könnte.

Arthur Milanowski bei der Untersuchung von Wolfsfäzes.© Roman Gula

Durch verschiedene Methoden der Spurenauswertung, konnten in den Jahren 2006/2007 vier bis fünf adulte Tiere mit einer Gruppe Jungtiere nachgewiesen werden. Zwischen 2008 und 2011 fand man nur noch zwei bis drei erwachsene Tiere und keine Anzeichen von Nachwuchs. Leider verunglückte ein weibliches Tier im Straßenverkehr. Zwei Hauptstraßen durchschneiden das Wolfsgebiet und bilden eine gefährliche Barriere für die Tiere. Möglicherweise fiel ein weiteres Weibchen der Wilderei zum Opfer. Insgesamt gelang es den Forschern Roman Gula und Artur Milanowski, in einem Zeitraum von drei Jahren durch Spurenauswertung im Schnee und Losungsuntersuchungen über 120km „Wolfswegen“ zu folgen. Hieraus könnten sich hilfreiche Erkenntnisse zur Raumnutzung und zum Wanderverhalten der Tiere ergeben. Erfreuliche Nachrichten gibt es aus Starachowice, wo in einiger Entfernung von der Ausgangspopulation neue Wolfsrudel mit Nachwuchs lokalisiert werden konnten.

Wie SAVE den Wölfen hilft

  • Durch Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit will SAVE die Akzeptanz des Wolfes bei der Bevölkerung erhöhen und sein schlechtes Image verbessern.
  • Um die Rückkehr des Wolfes zu unterstützen wollen wir seinen Lebensraum schützen. Durch entsprechende Maßnahmen wollen wir eine Vernetzung einzelner Wolfsareale schaffen und eine zunehmende Zerschneidung der Gebiete durch Zersiedlung und Landnutzung verhindern. Barrieren, wie z.B. Straßen, müssen in Wolfsarealen verhindert werden bzw. für die Tiere überwindbar sein. Nur durch die Schaffung solcher Wanderkorridore ist auch langfristig ein genetischer Austausch der Populationen möglich.
  • SAVE erforscht das Verhalten, insbesondere das Wanderverhalten der Tiere in ihrem Lebensraum. Die gewonnenen Erkenntnisse helfen dabei, geeignete Schutzmaßnahen zu finden.
  • SAVE ist an der Erforschung von Maßnahmen beteiligt, die ein Übergreifen von wilden Wölfen auf Nutzvieh verhindern sollen. Hierzu werden den Nutztierhaltern einfach umsetzbare Lösungen zum Schutz ihrer Tiere vorgestellt.
  • Um genauere und detailliertere Aussagen über das Verhalten und die Habitatnutzung der Tiere treffen zu können, plant SAVE, einige Tiere mit Funkhalsbändern auszustatten. So können noch bessere Aussagen über den Aufenthaltsort und das Wanderverhalten der Rudel gemacht werden.

Wie Sie den Wölfen helfen können

Europäischer Wolf

Mit Ihrer Spende für unser Wolfsprojekt können Sie einen wertvollen Beitrag für den Schutz der grauen Jäger leisten. Gemeinsam mit Ihrer Unterstützung können wir dem Wolf die Chance auf eine Rückeroberung seines Lebensraumes geben, aus dem wir Menschen ihn vertrieben haben. Helfen Sie uns mit Ihrer Spende oder übernehmen Sie eine Schirmherrschaft für unser Wolfsprojekt in Polen und geben Sie den Wölfen damit eine zweite Chance.