Die letzten Tüpfelhyänen im Kongobecken

Montag, den 28. Juli 2014 um 09:24 Uhr
Schimpansengruppe
Kamerafallenfoto einer Schimpansengruppe © Torsten Bohm,
SAVE und IZW

Schutz von Großraubtieren in Zeiten von Wilderei und Artensterben

Teil 2

Das Kongobecken ist mit einer Fläche von knapp 3 Millionen km² neben dem Amazonasbecken das zweitgrößte, zusammenhängende Regenwaldgebiet. Die Regenwälder des Kongobeckens bieten zahlreichen Tierarten, unter anderem Gorillas, Schimpansen, Bonobos, Waldelefanten, Okapis und Rotbüffeln eine Heimat. Schimpansen und Bonobos, auch Zwergschimpanse genannt, sowie zwei Gorilla-Arten zählen zu den sogenannten „flagship species“. Diese charismatischen Arten stehen symbolisch für den Artenschutz und gelten daher bei Spendern als besonders schützenswert. Doch die Artenvielfalt im Kongobecken ist bedroht: Zahlreiche Tierarten erlitten in den letzten Jahrzehnten dramatische Einbrüche ihrer Population.

Elefantengruppe mit Jungtier
Kamerafallenfoto von Elefantengruppe
mit Jungtier © Torsten Bohm, SAVE & IZW
Die Gesamtpopulation der Waldelefanten, neben dem Afrikanischen Elefanten, die zweite in Afrika vorkommende Elefantenart, hat sich zwischen 2002 und 2013 um 65 % verringert. Heute sind nur noch weniger als 100.000 Waldelefanten in Zentralafrika zu finden, wobei der Großteil davon allein im kleinen Land Gabun vorkommt. Dieses Abschlachten wurde vor allem durch die zunehmende Holzwirtschaft gefördert.

Die zum Abtransport von Edelhölzern in den Wald geschlagenen Schneisen erleichtern den Wilderern den Zugang zu den Rückzugsgebieten der Elefanten und den Abtransport von Elfenbein.

Weitere Gründe sind auch die vielerorts vorherrschende politische Instabilität und Korruption, die es Wildschützern schwer machen, Gesetze zum Schutz von Tieren und Natur effektiv durchzusetzen.

Waldelefanten erfüllen eine wichtige Rolle in den Ökosystemen Wald und Savanne und werden daher als „keystone species“ bezeichnet. Deren Verschwinden kann zum Teil dramatische Veränderungen in den genannten Ökosystemen nach sich ziehen.

Im Kongobecken werden noch immer rund 80 % des Proteinbedarfs der Einheimischen durch Buschfleisch gedeckt. Die Jagd nach Buschfleisch erfolgt meist unselektiv und mit illegalen Methoden, wie Drahtschlingen. Auch hier erleichtern von Holzfällern geschlagene Waldschneisen den Wilderern den Zugang zu Buschfleisch. Bei manchen kleineren und größeren Huftieren, welche vor allem als Buschfleisch dienen, hat die illegale Wilderei vielerorts schon zu dramatischen Einbrüchen in den Populationen geführt bzw. einige Huftierarten sind lokal bereits ausgerottet.

Gorilla
Kamerafallenfoto eines Gorillas
© Torsten Bohm, SAVE & IZW

In den letzten Jahrzehnten kam noch ein dritter Faktor hinzu. Gemeint sind die vor allem in den letzten zwei Jahrzehnten ausgebrochenen Ebola-Epidemien, die tausende Tiere dahingerafft haben. Ebola befällt sowohl Mensch als auch Tier, wobei die Todesrate bei Menschenaffen mit über 90 % besonders hoch ist. Allein im Odzala-Kokoua Nationalpark fanden nach den letzten großen Ebola-Epidemien zwischen 2001 und 2005 allein 5.000 Westliche Flachlandgorillas den Tod. Im Minkébé-Nationalpark in Gabun kam es zwischen 1994 und 1996 zu einem Einbruch bei der Gorilla- und Schimpansenpopulation um 90 %. Auch hier spielen Waldschneisen eine zentrale Rolle bei der Übertragung der Krankheit, welche besonders für den Menschen gefährlich sein kann, denn Waldschneisen ermöglichen schnellere Zugänge zu entlegenen Gebieten und das Übertragungsrisiko von Tier auf Mensch wird dadurch erhöht.

Ein weiteres Problem sind die mehr und mehr in Afrika in Mode kommenden Palmölplantagen. Oftmals werden Palmölplantagen an den Rand von geschützten Gebieten angepflanzt und Konflikte mit Wildtieren sind dann an der Tagesordnung. Besonders Elefanten lieben die Palmölnüsse. Umgekehrt erhöht sich auch die Wilderei in den angrenzenden Schutzgebieten, da Plantagenarbeiter, welche dann zu tausenden die Palmölpantagen bewohnen, nicht auf ihr Buschfleisch verzichten möchten.

Besonders stark bedroht sind die in Savannen lebende Großraubtiere, wie z.B. der Löwe, der Afrikanischer Wildhund und die Tüpfelhyäne. Alle drei Arten waren einst weit verbreitet in den Savannen des Batéké Plateaux-Ökosystems, welches sich über 2/3 der Republik Kongo und bis in den Südosten Gabuns hin erstreckt. Durch Dezimierung bzw. lokale Ausrottung der Nahrungsgrundlage, direkte und indirekte Verfolgung sowie durch mangelnde Schutzbemühungen verschwanden diese Großraubtiere aber schon vor Jahrzehnten aus den diesen Savannen. Nur die Tüpfelhyänen konnten sich noch retten. Die letzte Tüpfelhyänenpopulation des Kongobeckens bewohnt heute das kleine Savannengebiet im Odzala-Kokoua Nationalpark. Aber die Zukunft für die Tüpfelhyänen im Odzala-Kokoua Nationalpark ist ungewiss, denn Großraubtiere sind besonders gefährdet, da sie zum einen häufig in geringen Populationsdichten vorkommen und zum anderen große Raum- und besondere Nahrungsansprüche haben, die sie oft mit Menschen in Konflikt bringen. Bis jetzt haben die Tüpfelhyänen im Odzala-Kokoua-Nationalpark einen Zufluchtsort gefunden. Aber wie lange noch? Wichtige Daten müssen über diese Population gesammelt werden, um konkrete Schutzmaßnahmen formulieren zu können. Gemeinsam will SAVE mit Torsten Bohm alles dafür tun, um diese einzigartigen Raubtiere im Kongobecken zu erhalten.

Teil 1: Auf der Suche nach den Tüpfelhyänen - Weitere Forschungsergebnisse von Torsten Bohm

© SAVE
Tüpfi © SAVE

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Auf der Suche nach den Tüpfelhyänen

Dienstag, den 22. Juli 2014 um 12:45 Uhr
Kamerafallenfoto einer Hyäne
Kamerafallenfoto einer Hyäne © Torsten Bohm, SAVE & IZW

Weitere Forschungsergebnisse über das Tüpfelhyänen-Projekt von Torsten Bohm

Teil 1

Wie steht es um die kleine Tüpfelhyänenpopulation des Odzala-Kokoua-Nationalparks im Kongobecken? Gibt es vielleicht schon neuen Zuwachs seit dem letzten Mal, als sich Torsten Bohm durch das Regenwalddickicht auf Spurensuche nach den Tüpfelhyänen begeben hat?

Im Gepäck hatte er – wie bei seiner vorherigen Forschungsreise - Kamerafallen mit denen er weitere aufschlussreiche Daten für seine Kamerafallenstudie gesammelt hat. Bei seiner letzten Studie, die von November 2011 bis Januar 2012 durchgeführt wurde, identifizierte er 50 verschiedene Tüpfelhyänen und erste Schätzungen ergaben eine Populationsgröße von mindestens 75 Tieren. Damals hatte Torsten Bohm mit seinen Kamerafallen nur das südliche Savannengebiet im Nationalpark untersucht. Bei seiner aktuellen Forschungsreise sollte nun auch das nördliche Savannengebiet miteinbezogen werden. Die Hoffnung war groß, dass mit den neu identifizierten Tieren aus dem Norden die Gesamtpopulationsgröße deutlich höher ausfällt.

Kamerafalle
Eine in der Savanne installierte Kamerafalle,
in einer sicheren Stahlbox zum besseren
Schutz vor Angriffen von Elefanten
© Torsten Bohm

Die neue Feldstudie dauerte insgesamt neun Monate - von Mitte Juli 2013 bis Mitte März diesen Jahres - also genug Zeit, um möglichst alle im Gebiet vorkommenden Tüpfelhyänen mit Kamerafallen zu erfassen und somit eine möglichst genaue Schätzung der Gesamtpopulation zu erhalten.

Neben der Erfassung der Populationsgröße sollten auch wieder weitere Aspekte, wie die Genetik und das Nahrungsspektrum der Population untersucht werden. Ein weiterer wichtiger Bestandteil war auch die Aufnahme von Tüpfelhyänen-Vokalisationen, die zur Bestimmung der Clangröße benutzt wurden. Als Clan wird hierbei der Gruppenverband bei den Tüpfelhyänen bezeichnet.

Die höchste Chance gute Aufnahmen zu erhalten, besteht bei dem Zentralbau eines Clans. Und hier gab es äußerst Positives zu berichten: Torsten Bohm fand im Oktober einen besetzten Tüpfelhyänenzentralbau. Hier installierte er einen Audiorekorder und am Ende hatte er über 900 Stunden Aufnahmematerial. Eine junge Studentin von der Freien Universität Berlin wird sich jetzt um die Auswertung dieser Aufnahmen kümmern und Torsten Bohm bei der Datenauswertung etwas entlasten können.

© SAVE
Tüpfi© SAVE

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Weitere Abholzungen in Indonesien

Freitag, den 27. Juni 2014 um 09:41 Uhr
Mangrovenwald in Indonesien – ein fragiles Ökosystem und Lebensraum für viele Arten, © Petr Slavik
Mangroven haben sich auf tropische Küstenregionen spezialisiert und sind daher auf bestimmte Lebensräume angewiesen. © Petr Slavik

Palmöl-Gigant Wilmar plant trotz eigener Null-Entwaldungs-Richtlinie weitere Abholzungen in Indonesien

Wilmar International ist Asiens führender agroindustrieller Konzern und mit über einem Drittel der weltweiten Produktion, zudem der größte Vertreiber von Palmöl. Das tropische Öl steckt laut WWF in jedem zweiten Supermarktprodukt und ist somit einer der marktführenden Inhaltsstoffe der heutigen Zeit. Für seinen Anbau müssen aber immer wieder große Regenwaldgebiete weichen, da die vorhandenen Anbauflächen den steigenden Bedarf nicht mehr decken können. Auch Wilmar wurde in der Vergangenheit bereits mehrfach mit Vorwürfen der Umweltzerstörung konfrontiert.

Der Lebensraum von Nasenaffen besteht ausschließlich aus Mangroven- und Tieflandregenwäldern.
Nasenaffen gelten, laut Weltnaturschutzunion
IUCN, als „stark gefährdet“.
Foto, © Petr Colas

Nach langjährigem, globalem Druck von Verbrauchern und Nichtregierungsorganisationen, wie zum Beispiel Greenpeace, unterschrieb der Großkonzern Wilmar im Dezember 2013 eine Null-Entwaldungs-Richtlinie. Diese sieht vor, dass für die Anlage neuer Palmölplantagen in Zukunft keine Wälder oder Gebiete gerodet und bearbeitet werden dürfen, die als relevante Kohlenstoffspeicher fungieren oder besonders wichtig für die Artenvielfalt sind und damit einen hohen Erhaltungswert, auch HCV (High Conservation Value) genannt, aufweisen. Es darf also trotz Richtlinie sehr wohl entwaldet werden, jedoch muss für die betroffenen Bereiche vorher ein hoher Erhaltungswert ausgeschlossen werden. Um zu garantieren, dass Gebiete für die Neuanlage von Plantagen nicht zu den HCV-Flächen zählen, wird im Vorhinein eine Bewertung durchgeführt. Diese soll sicherstellen, dass die Gegend weder für die Artenvielfalt, noch für das Klima von Bedeutung ist.

In der Bucht von Balikpapan in Indonesien besitzt Wilmars indonesische Zweigstelle, PT WINA, eine Lizenz über eine Fläche von knapp 150 Hektar. Das Gebiet ist von Mangroven- und bereits leicht bearbeiteten - Wäldern bedeckt; der Bewuchs dient als Korridor und Verbindung zwischen verschiedenen Lebensräumen. Die Bucht von Balikpapan stellt ein fragiles Ökosystem dar, das als bedeutender Lebensraum für Primaten und ozeanische Lebensformen eingestuft wird. Auf der Internetseite Mongabay bezeichnet Stanislav Lhota, ein Forscher der tschechischen Universität für Biowissenschaften in Prag, das Terrain als essentiell für die Artenvielfalt vor Ort; so zum Beispiel für Orang-Utans, Nasenaffen und Malaienbären. Nun plant PT WINA auf der Fläche den Bau einer Ölraffinerie für Palmöl. Dies würde einen entscheidenden Einschnitt in die hochsensible Natur von Balikpapan bedeuten. Bereits im Januar 2013 berichtete der SAVE Wildlife Conservation Fund von den Gefahren, die eine Bearbeitung des Gebietes mit sich bringen würde.

Gerodeter Mangrovenwald
Ehemaliger Mangrovenwald auf dem Gebiet
von PT WINA in Balikpapan Bay.
Foto 2008, © Petr Slavik

Gemäß Mongabay hat PT WINA, entsprechend der neuen Null-Entwaldungs-Richtlinien, sogar tatsächlich eine HCV-Einschätzung für das lizensierte Gebiet vornehmen lassen. Von der Website Greenindonesia wird allerdings angegeben, dass bei der Bewertung der Gegend Verfahrensmängel zu einer fehlerhaften Einschätzung geführt haben sollen. Entgegen der Beurteilung sollen nicht nur knapp 23 Hektar, sondern fast die gesamte Fläche von PT WINA in der Bucht von Balikpapan einen hohen Erhaltungswert aufweisen und relevant für die Artenvielfalt sein. Auch sollen die lokale Bevölkerung sowie Nichtregierungsorganisationen zu spät über entscheidende Treffen für das Projekt informiert worden sein, so dass eine Teilnahme kaum mehr möglich war, so Lhota auf Mongabay. Wegen diesen und weiteren ungeklärten Punkten bei dem Vorhaben von Wilmar, unterstützt der SAVE Wildlife Conservation Fund schon seit Längerem den Widerstand gegen das geplante Projekt.

Das erneute Auftreten von Vorwürfen gegenüber Wilmar bei der Anlage einer Ölraffinerie, setzt ein bedenkliches Zeichen. Wenn es tatsächlich genügt, einer Gegend einen hohen Erhaltungswert abzusprechen, um daraufhin dort die Wälder abzuholzen, wäre eine Null-Entwaldungs-Richtlinie nahezu wertlos. Eine solche Vorgehensweise würde auch den enormen Wert, selbst leicht bearbeiteter Wälder, für die biologische Vielfalt, außer Acht lassen.

Wilmar steht nun in der Verantwortung zu beweisen, dass es ihnen mit der Null-Entwaldungs-Richtlinie ernst ist. Nur wenn sich das Unternehmen von den angestrebten Plänen eine Ölraffinerie zu errichten, distanziert, gibt es noch Hoffnung für die einzigartige Natur in der Bucht von Balikpapan.

 

Deutschland und Kamerun – Unentschieden im Fußball, umweltpolitisch im Abseits

Dienstag, den 10. Juni 2014 um 12:05 Uhr
©SAVE
© SAVE

Wie die Doppelmoral deutscher Umweltpolitik die Regenwaldzerstörung in Kamerun vorantreibt

Zwei zu zwei endete das Freundschaftsspiel zwischen Deutschland und Kamerun am Sonntag den 01.06.2014. Ein ausgeglichenes Ergebnis. Weniger ausgeglichen sind die Rollen, die beide Länder in ihrer schon lang währenden Freundschaft einnehmen. Seit Kameruns Unabhängigkeit im Jahre 1960 unterstützte Deutschland die Entwicklung des Landes bereits mit einer Gesamtsumme von bisher etwa 900 Millionen Euro. Zusätzlich wurde das Land im Jahr 2006 im Rahmen einer internationalen Initiative weitgehend entschuldet. Die Bundesregierung erließ Kamerun Schulden in Höhe von rund 1,4 Milliarden Euro.

Auch in diesem Jahr vergibt die deutsche Regierung erneut über 90 Millionen Euro im Rahmen einer deutsch-kamerunischen Partnerschaft. Das Abkommen unterzeichneten am 13. Mai 2014 der deutsche Botschafter für Kamerun, Dr. Klaus-Ludwig Keferstein, sowie der kamerunische Minister für Planung, Ökonomie und regionale Entwicklung, Emmanuel Nganou Djoumessi. Das Geld ist für einen nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen, den Schutz der Biodiversität sowie für Projekte der Entwicklungshilfe vorgesehen.

In der Realität befindet sich die Regierung von Kamerun aber seit mehreren Jahren im Abseits der umwelt- und entwicklungspolitischen Ziele. Seit 2009 unterstützt sie die Anlage einer riesigen Ölpalmenplantage des amerikanischen agro-industriellen Großkonzerns Herakles Farms. Laut dem Greenpeace Report „Licence to Launder“ vom 27. Mai, hat das Unternehmen Ländereien ohne ausreichende Rücksprache mit den Bewohnern übernommen sowie illegal Holz eingeschlagen und verkauft. Wegen des skrupellosen Vorgehens des Konzerns entsteht zudem heftiger Widerstand bei der lokalen Bevölkerung. Laut einer Umfrage unter Anwohnern und Gemeinden sind über 80% der Betroffenen gegen das geplante Projekt.

Die zweifelhafte Vorgehensweise von Herakles Farms, wird noch durch Repressalien – Razzien, Festnahmen – gegen lokale Aktivisten und Nichtregierungsorganisationen verschärft. Deren Informationen stellen aber für die regionale Bevölkerung oftmals die einzige Möglichkeit dar, Auskunft zu erhalten. Herakles Farms vermeidet soweit möglich, die wahrheitsgemäße Aufklärung der Gemeinden.

Die deutsche Umwelt- und Entwicklungspolitik hat ihre ursprüngliche Intention klar verfehlt. Was als Entwicklungshilfe gedacht war, entpuppt sich letztlich als Investition in ein Land, das augenscheinlich keine Bemühungen unternimmt, Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen Einhalt zu gebieten. Ein enormer Rückschritt für Kamerun, unterstützt von deutschen Steuergeldern. Am Ende verbleibt die Frage, warum die 90 Millionen Euro Entwicklungshilfe, trotz massiver Kritik aller Parteien eines Sonderausschusses, überhaupt bewilligt wurden.

Erst wenn die Regierung von Kamerun jegliche Handlungsweisen von Herakles Farms oder ähnlichen Unternehmen unterbindet, können deutsche Steuergelder wieder sinnvoll in die Entwicklungshilfe fließen. Schon längst ist die Bundesregierung in der Verantwortung, die eigene Umweltpolitik konsequent umzusetzen und strikte Bedingungen an die Vergabe von Geldern zu knüpfen. Sonst heißt es auch in Zukunft eins zu null für Herakles Farms gegen Umweltschutz und Menschenrechte.

 

Auf der Suche nach den Wölfen

Mittwoch, den 30. April 2014 um 12:29 Uhr
Das Wolfsforscherteam
Prof. Roman Gula und sein Forscherteam © R. Gula

Spurensuche im Schnee

Der gelbe Land Rover folgt unablässig den geradlinig verlaufenden Pfotenabdrücken auf der hauchdünnen Schneedecke, die die Straße bedeckt. Die Anordnung und Größe der Abdrücke im Schnee lassen keinen Zweifel offen: es sind Wolfspuren. Wölfe setzen ihre Hinterpfoten auf die Abdrücke der Vorderpfoten und lassen so einen Doppelabdruck entstehen. Wie viele Wölfe zu dem Rudel gehören, die diese Strecke entlang gelaufen sind, wollen die erfahrenen Spurenleser durch das Wolfs-Monitoring herausfinden.

Die Verfolgung der Wolfspuren gestaltete sich jedoch im Herbst und Winter 2013/14 äußerst schwierig. Aufgrund des milden Winters blieb der Schnee nur kurzzeitig liegen und neuer blieb ganz aus. Die kurzen Aufspürungstouren mit dem Land Rover beschränkten sich daher auf einige wenige Tage im Januar und Februar. Trotzdem fanden der Wolfsforscher Dr. Roman Gula und sein Team in dem kurzen Zeitraum sieben verschiedene Spuren von Wölfen auf einer Strecke von insgesamt 18 km.

Wolfspuren im Schnee
Auf den Spuren der Wölfe © R. Gula

Der Untersuchungszeitraum umfasste insgesamt sechs Monate (15.Oktober 2013 - 15.März 2014). Die Gegenwart von Wölfen wurde in dem 39-tägigen Monitoring, in dem westlichen Teil der Holy Cross-Forest Region, als auch in den umliegenden Wäldern Nieklansko-Blizynskie sowie im Ilzecka-Wald überwacht. Auch das Waldgebiet zwischen den Städten Przysucha und Konskie wurde regelmäßig auf Spuren von Wölfen untersucht.

Wie auch im vorherigen Sommer wurden alle Informationen über Anzeichen, die auf Wölfe hindeuten, gesammelt. Alle Waldgebiete wurden nach Wolfskot und Pfotenabdrücken abgesucht. Die gesammelten Kotproben wurden anschließend an das Institut für Umweltwissenschaften der Jagiellonian Universität in Krakau geschickt und von der Forscherin Katarzyna Lewalska untersucht. Zusätzlich wurden Proben für spätere DNA-Analysen eingefroren.

Bei der Spurensuche konnte erfreulicherweise eine deutlich höhere Präsenz von Wölfen im Holy Cross-Forest als im letzten Jahr festgestellt werden. Es wurden fast 200 Hinweise auf Wölfe gefunden, außerdem wurden 109 Kotproben für die Ermittlung von Nahrungsbestandteilen und für DNA-Analysen gesammelt. Eine der wenigen Wolfspuren im Schnee wies dabei auf ein großes, erwachsenes Männchen hin, wohingegen die Abdrücke vom letzten Jahr von jüngeren Wölfen stammten. Bedingt durch die nur leichten Schneefälle während der Paarungszeit (Ende Januar bis Ende März) konnte nicht festgestellt werden, ob sich unter den Wölfen ein Weibchen befand.

Ein Forscher steht mit Tarnkleidung vor dem Land Rover
Vorbereitungen für das Köderauslegen
© R. Gula

In allen Untersuchungsgebieten konnten Wolfsrudel nachgewiesen werden. Im Ilzecka Wald wurden vier Wölfe beobachtet, jedoch konnte dieses Rudel aufgrund der schlechten Schneeverhältnisse nur einen Tag lang verfolgt werden. Dadurch können die entdeckten Individuen lediglich als die minimale Anzahl an Wölfen in diesem Wald angesehen werden.

Im westlichen Teil der Holy Cross-Mountain-Region, vor allem in den Waldgebieten Staporkow und Skarzysko Kamienna, scheinen sich fünf Wölfe aufzuhalten. In den Waldbereichen Przysucha und Barycz gab es Hinweise auf vier Tiere.

Im Rahmen des Wolfs-Monitoring-Programms bei einem Treffen in der Provinz Swietokrzyskie diskutieren unsere Wolfsexperten mit den Verantwortlichen der Untersuchungsregionen über ein einheitliches, provinzbezogenes Monitoring-Dokument.

Dieses Dokument soll es den Förstern und Forstmitarbeitern vereinfachen, ihr Wissen über die Aufenthaltsorte der Wölfe innerhalb der Provinz weiter zu verbreiten. Die Daten sollen in einer GIS-Datenbank gespeichert und letztlich zu einer verbesserten Überwachung der Wölfe führen.

Lesen Sie hier den vollständigen dritten Zwischenbericht von Prof. Roman Gula und seinem Team.

 

Können Kalahari-Gnus im Central Kalahari Game Reserve überleben?

Donnerstag, den 17. April 2014 um 12:43 Uhr
Nahaufnahme eines Gnus
Kalahari-Gnus © SAVE

Forschungs-Up-Date von Moses Selebatso

Moses Selebatso, Capacity Development Student des SAVE Wildlife Conservation Fund und der KGR Research Group, füllt eine Plastikflasche nach der anderen mit Wasser von einer künstlich angelegten Wasserstelle inmitten des Central Kalahari Game Reserve (CKGR). Die entnommenen Wasserproben dienen der gezielten Untersuchung der Wasserqualität und um ihren Einfluss auf die Kalahari-Gnus zu untersuchen.
Im Rahmen seiner Doktorarbeit untersucht er das Wanderverhalten von verschiedenen Kalahari-Gnuherden zu den Wasserstellen in den Gebieten des CKGR. Einige dieser künstlichen Wasserstellen wurden eigens für das Forschungsprojekt angelegt. Die Ermittlung ihres Wanderverhaltens, insbesondere auf der Suche nach Wasser, soll zu einem besseren Verständnis der stetig abnehmenden Gnu-Population führen.

Die stetig schrumpfenden Kalahari-Gnuherden werden seit insgesamt mehr als fünf Jahren anhand einer Wildtierstudie von der Kalahari Research and Conservation (KRC) mit Blick auf ihre Ansprüche an das CKGR als Lebensraum beobachtet. Selebatso befasst sich in seiner Doktorarbeit im Wesentlichen mit dem Aspekt, wie viele Tiere im CKGR überleben können und wie die verschiedenen Lebensräume im Gebiet von den Streifengnus genutzt werden. Die zwingend erforderliche regelmäßige Kontrolle der Wasserversorgung durch die künstlichen Wasserquellen stellt eine der Hauptkriterien seines Projekts dar.

Eine Gnuherde von weitem
Gnuherde in der Kalahari © SAVE

Das Nahrungsangebot und das Wasseraufkommen in der Kalahari sind sehr begrenzt wodurch die ausreichende Ernährung der hier lebenden Wildtiere erschwert wird. Die Trockenzeit stellt hierbei eine besonders schwierige Hürde dar, weil natürliche Wasserstellen nach und nach zu Salzpfannen austrocknen. Auch wird den Kalahari-Gnus durch die zahlreichen Zäune - die der CKGR umgebenden Farmen - die Möglichkeit zur Migration und damit auch zu natürlichen Wasserreserven verwehrt.

Der botswanische Forscher Selebatso, sammelt bereits seit einem Jahr Gras- und Kotproben der in dem Nationalpark beheimateten Streifengnu-Populationen, ebenso wie von Springböcken (Antidorcas marsupialis) und Spießböcken – oder auch Gemsböcke genannt (Oryx gazella) - der Kalahari. Anhand dieser analysiert er das Nahrungsspektrum der Gnus und vergleicht es mit dem der anderen Antilopenarten. Interessant ist hierbei ob es zu Überschneidungen kommt, um zu untersuchen ob und wie sich der Wettbewerb um Nahrung auf die abnehmende Population negativ auswirkt.

Seit rund zwei Jahren beschäftigt sich der afrikanische Student in seinem Forschungsprojekt mit der vom Aussterben bedrohten Kalahari-Gnu-Population.
Mithilfe von Funkhalsbändern wird jederzeit der saisonal bedingte Aufenthaltsort der Gnu-Herden aufgespürt. Dafür wurden insgesamt 19 Streifengnus mit GPS-Halsbändern besendert, von denen jedoch nur sechs Gnus länger als 13 Monate überlebten. Neun Gnus sind gestorben und ein Tier wird vermisst, dies entspricht einer Sterblichkeitsrate von 50% bei den Forschungstieren. Bei drei von ihnen gab es Probleme mit den Sendehalsbändern.
Die meisten der Forschungstiere starben bereits im ersten Forschungsjahr. Ursache der vielen Todesfälle waren vermutlich die ausgetrockneten Wasserlöcher, wie bereits in vorherigen Updates berichtet wurde.

Die Wanderrouten der mit GPS-Halsbändern besenderten Gnu-Herden im CKGR werden seit 2011 aufgezeichnet. Leider hat sich ihre Anzahl stark verringert. Selebatso´s Forschung ergab, dass es weitaus weniger als die geschätzten 1000 Streifengnus in seinem Forschungsgebiet gibt. Er geht davon aus, dass heute nur noch ca. 350 Individuen im gesamten Gebiet der CKGR leben.

Seine Forschung beinhaltet zugleich etliche weitere Gesichtspunkte, darunter das demografische Muster der Gnu-Populationen, sowie deren Wanderrouten unter saisonaler Betrachtung. Außerdem untersucht er die Auswirkungen ihrer Nahrungsauswahl unter dem Aspekt der verschiedenen Klimaperioden wie Regen -und Trockenzeiten und die Beziehung zwischen saisonalen Schwankungen beim Futter und bei der Nahrungsauswahl. Auch soll das Verhalten der Gnus und anderer Huftiere bezogen auf saisonale interspezifische Überlappungen bei der Nahrung festgestellt werden.

Eine Gnuherde ruht sich in Gräsern aus
Eine Gnuherde in der Kalahari. © SAVE

Bislang ergab die Studie, dass die Streifengnu-Populationen des CKGR in den nassen Jahreszeiten die Salzpfannen aufsuchen und in den Tälern leben und es sie in der Trockenzeit zu den nördlicheren Gebieten zieht. Zwischen dem Khutse Game Reserve und dem Deception Valley des CKGR waren gleichmäßige Muster bezüglich der Wanderbewegungen der Kalahari-Gnus zu beobachten. Beachtlich waren auch die langen Entfernungen, die von ihnen auf der Suche nach Wasser zurückgelegt wurden.
Die Feldarbeit des Projekts ist nun abgeschlossen und der leitende Forscher wird sich nun auf die Laboranalysen der Gräser, Kot- und Wasserproben fokussieren. Die Datenanalyse wird voraussichtlich im Juni beginnen und sein Ziel ist es bis Ende diesen Jahres mind. ein Kapitel seiner Doktorarbeit fertig zu stellen.

Wir sind gespannt auf Moses Selebatso‘s weitere Forschungsergebnisse und -erkenntnisse, die zum besseren Verständnis der Verhaltensweisen der Gnus an die gegebenen Lebensbedingungen und die hoffentlich auch zur Vergrößerung ihrer Population in den Kalahari-Savannen beitragen werden.

Lesen Sie hier den Forschungsbericht von Moses Selebatso.

 
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